Mittwoch, 25. Februar 2015

Round about: Hexe sein

(c) Diega Da Silva


Lieber Leser,

in diesem Post wollt ich klären, was eine Hexe eigentlich ist. Was sie ausmacht; woran man merkt, dass man eine ist etc. und ich muss feststellen, dass mir das selber Rätsel aufgibt. Denn...ich habe keine Ahnung. Ich habe mir nie sonderlich Gedanken darum gemacht, wie man merkt, ob man eine Hexe ist. Also könnte der folgende Beitrag ein wenig konfus wirken.


Zuerst sei einmal klargestellt, dass „Hexe sein“ kein Gen ist, dass einem weitergegeben wird. „Hexe sein“ ist nichts, dass nur gewissen auserwählten Personen zugänglich ist. Magie ist etwas, das in uns allen liegt. Irgendwo verborgen, verschüttet in unseren Seelen. Meiner Meinung nach haben Leute wie ich – die sich Hexen, Schamanen etc. nennen – nur einen Zugang zu dieser tief in unserer Seele wurzelnden Magie gefunden und versuchen nun über Rituale, Recherche über Götterkulte und diese Dinge ihren ganz eigenen Zugang und ihren ganz eigenen Ausdruck der ihnen innewohnenden Magie zu finden. Und vermutlich ist das auch ein Grund, warum man tausend Leute finden kann, die ein und derselben Glaubensrichtung angehören – gleichzeitig legt aber jeder dieser tausend Leute seinen Glauben komplett anders aus und drückt ihn damit auch komplett anders aus.

Und damit ist auch schon geklärt, dass ich dir nicht erzählen kann, wie sich dein „Hexe sein“ ausdrückt oder woran du es erkennst. Du bist hier, damit scheint ja zumindest schon mal Interesse zu bestehen. Was vermutlich bedeutet, dass du diese Tür in deinem Inneren gefunden und geöffnet hast. Ich kann dir kein Alter sagen, ab dem man bereit ist das, was man hinter der Tür gefunden hat zu akzeptieren – mit all seiner Härte und seinen Schwierigkeiten. Ich kann dir auch keinen Zeitraum nennen, nachdem du dich offiziell Hexe nennen darfst. Denn das musst du ganz alleine tun und ganz alleine entscheiden, dass kann dir niemand abnehmen. Nur du ganz alleine kannst den Zeitpunkt bestimmen, ab welchem du dich Junghexe, Hexe, Magier, Schamane, Priester oder von mir auch aus Sir Robert, einäugiger Piratendiener des fliegenden Spagettimonsters nennst.

Aber zumindest eine Frage kann ich dir beantworten. Und zwar, was es für mich ausmacht – nein, besser bedeutet – Hexe zu sein. Für mich bedeutet es Zugang zu sich selbst zu finden, Hexe sein ist für mich sehr viel Innenschau. Es bedeutet für mich sich seinen inneren Ängsten, Schwächen – aber auch Stärken - völlig unverfälscht zu stellen. Es bedeutet für mich, meinen eigenen Weg des spirituellen Ausdrucks zu haben. Mit einem Dogma, Regeln und Verpflichtungen, die alleinig ich mir wählen darf. Es bedeutet für mich Freiheit. Es bedeutet für mich Gleichgewicht.
Es bedeutet für mich Wurzeln zu bekommen um mich zu erinnern woher ich komme und darin Halt zu finden. Im Kleinen, wie meiner Familiengeschichte, aber auch im Großen, wie dem Gedanken, einmal selbst nicht mehr als ein unkomplexer Mechanismus in der Größe eines Grashüpfers gewesen zu sein. Und es bedeutet für mich im hier und jetzt anzukommen; die Zeiten zu nehmen, wie sie kommen und damit ein freieres und selbstbestimmteres Leben führen zu können.

Auf keinen Fall bedeutet Hexe sein aber, dass man das Recht hat Tieren oder Menschen ein Leid zuzufügen. Glaub mir, auch Hexen geraten an den Punkt wo sie sich denken: „Dieser Typ hätte es so was von verdient, dass....“ Aber genau dort offenbart sich deine Willenskraft. Oder wie Meister Miyagi sagen würde: „Aus großer Macht erfolgt stets große Verantwortung.“
Es gibt das wiccanische Gesetz der Drei: Alles was du tust, fällt dreimal auf dich zurück. Das bedeutet, dass alles Gute, was du tust, sich für dich irgendwann auszahlt. Aber ebenso, dass alles Böse was du tust, irgendwann zu dir zurückfindet. Und wenn es ganz schlimm kommt, trifft es nicht einmal dich, sondern Menschen, die dir lieb und teuer sind. Denn das, was wir aussenden, verbindet sich unweigerlich mit anderen Dingen, die genauso sind. Und deswegen fällt alles verstärkt früher oder später auf uns zurück.
Und wenn ich dir wirklich noch erklären muss, warum du nicht mutwillig (also nicht zb. Im Falle von Selbstverteidigung, Leidenserlösung etc.) Tieren ein Leid antun musst, dann solltest du mit deiner Lektüre noch einmal von vorne beginnen. Und am Besten auch mal über deine Erziehung und deinen Lebensweg nachdenken.
Hexe sein bedeutet aber auch nicht, intolerant zu sein.
Du darfst nie vergessen, dass du selbst ziemlich anders bist. Und dieses anders sein, ist doch nicht schlecht, oder? Warum sollte also das Anders sein von anderen Menschen schlecht, bösartig oder falsch sein? Dein Status als Außenseiter ermöglicht dir einen objektiven Blick hinter die Fassade – benutze ihn nicht, um deine eigene aufzubauen. Niemand von uns hat den allein gültigen Weg zu Wahrheit, Erleuchtung, Walhalla oder dem Recht gepachtet. Wer so etwas behauptet, muss meiner Meinung nach ein sehr bemitleidenswerter Mensch sein.

Und schon bin ich am Ende angekommen und der Beitrag wurde konfuser, als ich es wollte. Doch ich bin schon froh, wenn du aus diesem Beitrag auch nur mitgenommen hast, dass dein Lebensweg so gut ist, wie du ihn gehen möchtest und das du zu jeder Zeit jede Entscheidung in der Hand hast. Und so gebe ich dir zum Abschied nur noch ein sehr schönes Lehrwort einer mir leider unbekannten Quelle mit:

"Glaub nicht an das, was du gehört hast;
glaub nicht an Traditionen, nur weil sie seit vielen Generationen überliefert sind;
glaub nichts, nur weil es viele glauben und aussprechen;
glaub nicht etwas, nur weil es ein alter Weiser geschrieben haben soll;
glaub keinen Vermutungen;
halt nicht etwas für die Wahrheit, nur weil du es gewohnheitsmäßig tust;
glaub nicht einfach nur an die Autorität deiner Lehrer und Vorgesetzten."
(Verfasser unbekannt)



Ich wünsche euch Licht und Liebe auf euren Wegen.

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