Freitag, 13. März 2015

Round about: Pagan Parenting

Hey, liebe Freunde

in meinem heutigen Beitrag möchte ich euch alles über Pagan Parenting erzählen, was man für den Einstieg wissen muss. 

(c) Igor Menezes
Ein Begriff, der in der deutschen heidnisch – magischen Szene immer häufiger zu hören ist, aber auch vielen Neulingen und manchmal sogar eingefleischten Hasen einfach kein Begriff ist. Wie der Name schon vermuten lässt geht es um die Erziehung von „Heiden“. Doch was es damit genau auf sich hat und was ihr euch unter Pagan Parenting vorstellen dürft, dass könnt ihr in meinem Artikel nachlesen.
Viel Spaß dabei!


Dann fangen wir doch mal am Besten ganz vorne an:

Was bedeutet Pagan Parenting?

Der aus der USA stammende Begriff setzt sich aus dem Wörtern Pagan (Heide) und Parenting (Erziehung) zusammen. Der Begriff wird häufig dann verwendet, wenn heidnisch – magische Menschen sich entschließen ihren Glauben an ihre Kinder weiter zu geben. Das betrifft Anhänger des Wicca ebenso wie Leute des Asatru oder ähnlichen Ausrichtungen.

(c) mmahlau
Allerdings diskutiert die Szene selbst oft und häufig darüber ob es nun eine notwendige Aufklärung ist – weil Mama/Papa oder beide Eltern nun mal fest in diesem Glauben leben oder ihn in ihren Alltag integriert haben – oder auch nur zu einem Glaubenszwang führen könnte, wie ihn viele Heiden beim Christentum bemängeln.

Ich bin durchaus eher für den ersten Punkt.
Ich möchte meinen Glauben nicht verleugnen müssen, nur weil ich jetzt Kinder habe. Aber ich möchte sie natürlich auch nicht dazu nötigen meinen Glauben (oder den Glauben meines Mannes) zu übernehmen. Ich werde meinen Kindern jede Frage so gut wie möglich erklären, ohne Vorurteile oder Verleugnungen von anderen Religionen. Und wenn meine Kinder sich entschließen sollten irgendwann einmal den nordischen Göttern zu folgen, oder ihr Krafttier an zu beten – oder eben zu Jesus und Gott zu beten – dann wird mich keine Alternative mehr oder weniger zufrieden stellen. Weil für mich liegt meine Haupthoffnung darin, dass sie einen Glauben finden, in dem sie sich wohl fühlen und ihr gesamtes Potenzial entfalten können.


Nun drängt sich aber die nächste Frage auf:
Kann ich für mein Kind denn keine schönen Feste feiern, wie zb. Im Christentum?

Einfach Antwort: Doch, natürlich!
Auch heidnisch – magische Eltern wollen ihren Schützling auf manchmal schlichte, manchmal pompöse Art und Weise auf der Welt willkommen hießen. Oder ihnen helfen, einen schöneren Eintritt in die Pubertät zu finden. Oder ins Erwachsenenalter. Oder oder oder!
Es gibt durchaus Entsprechungen im heidnisch – magischen Raum für Dinge wie Taufe, Konfirmation/Konfirmation oder Eheschließung. Nur tragen sie andere Namen und gestalten sich oft wesentlich freier und ungezwungener als die oftmals „strengen“ Kirchenfeiern.

Wir hätten zb das Baby Blessing. Auch Hexentaufe; Wiccaning; Blessing oder Segnung genannt.
Anders als im christlichen (und vielen anderen Taufglauben) hat diese Taufe nichts damit zu tun dem Kind einer Religion oder einem Glauben zu verschreiben. Vielmehr wird Segen für das Kind herbei gebeten. Von den Göttern, an die die Eltern glauben, von den Naturgeistern oder auch von den Vorfahren des Kindes. Es geht lediglich darum das Kind in einem feierlichen Namen auf der Welt und in der Sippe willkommen zu heißen und es dem bestmöglichsten Schutz zu verschaffen, den man sich für ihn wünschen kann. Oftmals sprechen die Anwesenden auch noch gute Wünsche für das Kind aus.
(c) Helebardius
Oft fließt darin auch die Namensgebung mit hinein; sie kann allerdings auch als separates Fest gefeiert werden. Hierbei geht es darum dem Kind im feierlichen Rahmen einen Namen zu geben. Entweder gibt man dem Kind dabei seinen bürgerlichen Namen; oder sollte man Mitglied eines Coven sein, erhält das Kind bei dieser Gelegenheit oftmals auch einen Covennamen. Die Namensgebung kann auch später im Leben gefeiert werden bzw. noch einmal gefeiert werden, wenn das Kind sich zb. entschließt dem Glauben der Eltern zu folgen und einen "magsichen" Namen annehmen möchte. 

Dann wäre da natürlich noch das Menarcheritual.
(c) Sukanto Debnath
Das es sich hierbei um die Menarche (Monatsblutung) handelt und etwas bewusst weibliches darstellt, ist nicht umsonst so. Denn ich habe noch nirgends, praktisch wirklich nirgends, etwas zum Thema für Jungen gefunden. Aber gehen wir mal der Reihe nach.
Mit dem Menarcheritual soll die erste Blutung einer jungen Frau gefeiert werden. Es gibt viele schöne Anregungen dazu, wie man mit dem jungen Mädchen feiern kann, dass es nun zur vollwertigen Frau geworden ist und nicht länger ein Kind ist. Zudem soll es das Selbstvertrauen in ihren Körper stärken und ihr zeigen, dass diese Blutung nichts ist, wofür sie sich schämen muss.
Wie eingangs schon erwähnt fand ich keinerlei Entsprechung dafür für Jungen, was ich überaus schade finde. Denn gerade Jungen leiden in unserer Gesellschaft – so erscheint es mir oftmals – sehr darunter kein „sichtbares“ Zeichen dafür zu haben, dass sie nun zum Mann geworden sind. Sind es die ersten Schamhaare? Der erste feuchte Traum? Wie Herbert Grönemeyer schon so schön fragte: „Wann ist ein Mann ein Mann?“
Meiner Meinung nach sollten Menarcherituale für beide Geschlechter gefeiert werden. Such dir  für deinen Sohn deine eigenen Anhaltspunkte heraus, wann er so weit ist dieses „Mannwerdungsritual“ zu durchlaufen.


Wie gehe ich in der Gesellschaft damit um?

Leider ist es noch immer so, dass vielen Heiden von der Gesellschaft ein zweifelhafter Ruf aufgedrückt wird. Zum Beispiel, dass sie Sektenanhänger sind oder Satanisten. Dies kann gerade schwer werden, wenn das Kind mit seiner ganz anderen Art von „Glaubenserziehung“ im Kindergarten/Schule/Sportgruppe/Freundeskreis etc. angibt. Doch wenn man sein Kind heidnisch – magisch erzieht, sollte man darauf gefasst sein.

(c) John Adams
Zuerst sollten man sich merken, dass man sein Kind erziehen kann, wie man es für richtig hält. (Solange ihm damit kein körperlicher oder seelischer Schaden zugefügt wird!) Das heißt im Klartext, wie auch im gesamten Leben, es kann uns eigentlich egal sein, was andere Leute zu deiner Erziehung sagen oder meinen. Aber damit verbesserst du den Ruf von den heidnisch – magischen Menschen auch nicht wirklich. Und viele Vorurteile entstehen lediglich aus Unwissenheit heraus.
Sollten Fragen aus dem Bekanntenkreis auftauchen, dann nutze die Gelegenheit und klär die Leute auf. Wenn du es noch nicht getan hast, nutze es für dein eigenes Comming out. Sage, bei uns ist das eben so. Oder versuche es anderen kleinen Kinder in einer ihnen verständlichen Sprache zu erklären („Bei uns kommt der Osterhase eben früher“).

Im Großen und Ganzen sind Gelassenheit und Aufklärung deine zwei größten Stärken im Kampf gegen blöde Nachreden und Vorurteile. Noch herrscht in Deutschland Religionsfreiheit und das schließt auch heidnisch – magische Religionen mit ein! Von daher hast du dieselben Rechte wie jemand einer etablierten großen Religion und kannst dich beschweren gehen, sollten du oder dein Kind benachteiligt/gemobbt oder sonst wie zurückgesetzt werden auf Grund eures Glaubens.

Noch Fragen?
Dann schreibt mich doch an, meine Mail steht im Impressum. Oder setzt einfach einen Kommentar unter den Artikel. Vielleicht gibt es dann bald ein Pagan Parenting 2.0. Wer weiß, wer weiß.
Aber lasst mich doch mal wissen. Erzieht ihr eure Kinder im heidnisch – magischen Glauben? Und seit ihr dabei schon mal auf Vorurteile gestoßen? Freue mich auf eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Bis Bald,
eure Ardijana


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen