Mittwoch, 26. August 2015

Gruppenarbeit oder Einzelarbeit - Teil 2

Hey lieber Leser,

hier kommt jetzt auch endlich der ersehnte zweite Teil meiner Liste zur Einzel- und Gruppenarbeit. Während im letzten Artikel der Fokus auf den positiven Seiten der Gruppenarbeit und den negativen Seiten der Einzelarbeit lag, möchte ich euch diesmal die andere Seite zeigen.
Ich hoffe, dass ich hiernach eine Entscheidung für euch treffen könnt, für welche Art des Praktizierens ihr besser geeignet seit. Und keine Angst, diese Entscheidung muss nicht endgültig sein. Wenn ihr irgendwann doch mal Lust habt in der Gruppe zu arbeiten oder doch alleine, dann stehen euch natürlich Tür und Tor dafür offen. Deswegen sind wir doch Hexen, oder?
Teil 1 findet ihr übrigens hier.


Die positiven Seiten der Einzelarbeit - die negativen Seiten der Gruppenarbeit

(c) Jay
Am besten beginnen wir unseren Exkurs ganz vorne und fangen bei dem Punkt an, der für die meisten Einzelpraktizierenden ausschlaggebend für ihre Entscheidung war - sie machen ihre eignen Regeln. Alleine zu praktizieren bedeutet auch, dass niemand dir vorschreiben kann, wie du bestimmte Dinge zu tun hast und wann. Anders als in starren Zirkeln gibt es für dich keinen Zwang an einem Vollmondabend dieses und jenes Ritual durchzuführen. Du kannst auch einfach meditieren oder dich vor den Fernseher setzen.
Bei einer festen geleiteten Gruppe gibt es meist feste Regeln wie zb. Deine Werkzeuge auszusehen haben, welche Weissagungsmethoden du beherrschen musst oder an welchen Tagen welche Rituale durchgeführt werden müssen oder sollen. Viele Einzelpraktizierende werden vermutlich sagen, dass ihnen eine solche Beschränkung ihrer individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu einengend wären.

(c) Jan
Zudem sind viele Einzelndarbeitenden mit großer Freude dabei „eigene“ Dinge zu erfinden. Legemethoden, Weissagungsarten, Ritualgewänder oder Gegenstände. Der noch so schönste Zauberspruch mit dem noch so wundervollen Ritual und teuren Gegenständen wird vermutlich niemals so wirkungsvoll und stark, wie ein eigen ausgedachter Zauberspruch. Ich persönlich muss gestehen, dass ich gerade Kritik an einem von mir verfassten Spruch vermutlich schwer ertragen würden. Denn – in einem Zauberspruch liegt deine ganz eigene Essenz und du wirst ja wohl noch am Besten wissen, wie du DEINEN Wunsch am Besten zu DEINEN Göttern schickst.
Bei Orden, die meist schon eine lange Zeit existieren, kann es vorkommen, dass du an einem Ritual teilnimmst und absolut nichts fühlst. Und damit wird sein Wunsch oder das mit dem Ritual angestrebte Ziel vermutlich nicht erreicht werden. Zudem würde es die Gruppenenergie stören, wenn jemand dabei sitzt und sich denkt: „Was für ein Müll!“ Als Alleinarbeitender hat man dieses Problem nicht. Man ist immer Herr über alle Sprüche und kann seine Magie genau so betreiben, wie sie meiner Meinung nach betrieben werden sollte – aus dem Herzen heraus.

Vermutlich habe ich euch einmal mitgeteilt, dass ich meine Rituale sehr gerne in meiner Reeanactmentkluft ausführe. In einem wunderschönen roten Wollkleid, Kopftuch, Gürtel und Gehängsel. (Ist leider noch nicht ganz komplett). Aber ich trage auch gerne andere Kleidung. Manchmal auch nur einen schwingenden schwarzen Rock...
(c) Francesca Vinzia
Für mich selbst wäre es undenkbar, dass jemand mich praktisch dazu „zwingt“ das meine Ritualkleidung so und so auszusehen hat. So ist mein Wollkleid zum Beispiel Rot – ich habe schon viele Berichte gelesen nach denen Rot alleinig „Hexenköniginnen“ oder Hohepriesterinnen zusteht zu tragen oder bei solchen und solchen Ritualen nicht getragen werden sollte. Aber ich fühle mich gut darin und bei mir fließen die Energien gut dabei. Wenn ich mir vorstelle, von jemanden in eine weiße Robe mit Schwingärmeln gesteckt zu werden, weil sich „das so gehört“ - vermutlich könnte ich keine einzige Kraft mobilisieren und würde mich das ganze Ritual über unwohl fühlen.
Bei einer Gruppe gibt es aber sehr oft Vorschriften dahingehend, was und wie es getragen werden darf. Das kann von einer simplen Farbvorschrift bis hin zu aufwendigen Roben und Kostümen gehen. Vielleicht sogar mehreren, je nach Ritual und Fest, das ausgeführt wird. Zudem bestehen viele ältere Orden auf Handarbeit – was dann mal schnell viel Geld und Zeit kosten kann. Gerade, wenn auch noch Naturmaterialen wie Wolle oder Seide gefordert werden.

(c) Wikipedia
Eine Gruppe hat meist ein festes Pantheon an Göttern, mit denen es arbeitet. Ein Wicca – Zirkel wird vermutlich mit dem großen Gott und der großen Göttin arbeiten. Ein hellenistischer Zirkel wird vermutlich mit den griechischen Göttern arbeiten. Und so wird man auch von jedem, der dem Zirkel beitritt, erwartet, dass er mit diesen Göttern arbeitet. Aber das kann zum großen Problem werden, wenn man mitten in seiner Ausbildung plötzlich herausfindet, dass einem diese Götter überhaupt nicht liegen!
Während man, wenn man alleine arbeitet, seine Götter ganz lustig mischen kann, wie man es gerade möchte. Du hast gerade eine unfassbare Faszination für Ägypten – dann kannst du diese Götter anbeten. Nächsten Monat interessierst du dich für die alten Kelten? - Dann kannst du auch deren Götter zu rate ziehen. Wer weiß, vielleicht bleiben dir ein paar Götter deinen ganzen Weg über erhalten und finden Eingang auf deinen Altar – egal aus welchem Pantheon sie kommen.

Sicher hast du bei deiner Recherche schon mal den Begriff Initiation gefunden. Das beschreibt meist einen Zustand, wenn eine uneingeweihte Person einer Gruppe beitritt. Viele Hexen, die alleine arbeiten, initiatieren sich alleine. Sie halten diesen Weg für wichtig um sich damit voll und ganz dem Hexenweg zu verschreiben. Ähnlich wie bei einer Taufe oder einem Schwur. Sie übergeben sich damit voll und ganz ihren Göttern und dieser Lebenseinstellung.
(c) Wikipedia
Bei einer Gruppe ist dieser Schritt praktisch immer vorhanden um den Anwärter, der meist einen langen Lehrweg hinter sich hat, rituell in die Gruppe aufzunehmen. Ich möchte nichts Beschönigen, ich habe schon von vielen Gruppen gehört, wo dieses Eintrittsritual meinem Empfinden nach sehr beschämend war. Nacktes vor die Gruppe treten, rituelle Waschungen, etc. ist praktisch alles dabei. Und ich finde, dazu gehört ein großer Schritt des Vertrauens und gerade in einer großen Gruppe kann ich alle Menschen nicht so genau kennen lernen, dass ich dieses Vertrauen in sie hätte.

Und auch wenn ich es ungern tue, muss ich am Ende noch eine starke Warnung anbringen. Gerade bei großen Zirkeln, die ein sagenumwobendes Geheimnis um sich machen, ist die Möglichkeit sehr groß und gegeben auf einen Betrüger oder gar eine Sekte reinzufallen. Nicht nur Hexen haben die Anziehung der „neuen heidnischen Religion“ begriffen. Auch viele Menschen, die es weniger ehrlich mit ihren Mitmenschen meinen, haben diese Anziehung bemerkt und nutzen sie nun für alle möglichen schändlichen Zwecke. Und das kann dabei, dir das Geld für eine angebliche Ausbildung zur Überhexe, aus der Tasche zu ziehen, bereits anfangen und bei illegalen Dingen enden. Was sich wieder auf meinen vorletzten Punkt bezieht, dass man ein sehr starker Charakter mit guter Menschenkenntnis sein muss um sich einer Gruppe anzuschließen. Es sei denn, man kennt Mitglieder von dort bzw. kann andere nach deren guten Leumund fragen.
(c) Torange-de
Und ich möchte nicht unter den Teppich kehren, dass einem dasselbe nicht auch als Einzelarbeitender passieren kann. Die Möglichkeiten sind aber geringer. Meist stolpern gerade junge unerfahrene Hexen in eine „Schule“ und werden viel viel Geld für etwas los, was vollkommener Blödsinn ist (zb. Hexenzertifikate). Oder geraten in die Fänge irgendwelcher selbsternannten Lehrer, die ihr Wissen angeblich aus über 500 Jahre alten Bücher gefischt haben!
Niemand, der dir so was erzählt, ist in irgendeiner Art vertrauenswürdig.
Im Allgemeinen liegen deine Chancen einem Betrüger aufzusitzen als Einzelndarbeitender aber geringer als in der Gruppe. Eben weil du dabei bist dir alles selbst beizubringen und das stärkt meist auch dein Selbstvertrauen in deine eigenen Wege und Fähigkeiten.

So.
Ich hoffe dieser zweiteilige Ausflug war hilfreich für euch und das ihr euch nun guten Gewissens für einen Weg für den Anfang entscheiden könnt. Ich habe meinen gefunden und bisher auch nicht die Möglichkeit von ihm abzuweichen. Sicher sind hier teilweise überspitzte Dinge wiedergegeben worden von mir – doch wie jeder Bereich in der Magie darf man ihn nicht so eng gefasst sehen. Überall gibt es Zwischenebenen, so auch in der Arbeit mit der Magie.
Doch nun erzählt mal:
Lieber alleine, lieber im losen Verband, in einem festen Zirkel – wie arbeitet ihr am liebsten und am Besten?

Mit den besten Wünschen,


eure Ardijana 

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