Samstag, 7. November 2015

How to do: Die eigenen Götter finden + Mein Weg zu meinen Göttern

(c) Ardijana Woelke 
Meine lieben Leser,

eigentlich wollte ich euch schon lange mit einem neuen Artikel überraschen, doch irgendwie will es mir momentan nicht so recht gelingen. Ich sitze davor, starre auf das Papier und finde alles, was ich geschrieben habe furchtbar. Stumpf, leblos - so wie es nicht klingen sollte, wenn es von mir kommt!

Irgendwie fühle ich mich momentan ein wenig befangen und kraftlos. Verwirrt, suchend. Keine Ahnung. Mein Kopf bekommt keinen klaren Gedanken und keinen geraden Satz zu Stande. Was sehr schade ist, da ich glaube endlich die für mich richtigen Götter gefunden zu haben. Und das war ein wirklich schweres Unterfangen; lange Zeit war ich anscheinend blind und taub auf meiner Seele.
Aber sicher ging es den Erfahrenen unter euch mal genauso - und die Anfänger unter euch rätseln immer noch, wie das alles funktionieren soll. Tja...dann lasst es mich euch mal erklären:


Schritt 1: Die Innenschau

Um erfolgreich deine Götter zu finden ist es wichtig, dass du dich selbst kennst. Es mag ja sein, dass diese oder jene Gottheit total faszinierend und cool ist - doch das hilft dir nicht, wenn ihr mit euren Zielen und Bedürfnissen nicht auf einer Ebene schwingt. Was nützt dir ein "cooler" Kriegsgott, wenn du eigentlich eine friedliebende harmonische Frau bist, die gerne Kinder und ein fröhliches Heim hätte? 
(c) Hartwig HKD
Als Hauptgott wird er dich niemals glücklich machen können, weil du seine Fähigkeiten der Stärke, positiven Rücksichtslosigkeit und Willenskraft vermutlich nicht dauerhaft brauchst. Er wäre eher ein Gott um ihn anzurufen, wenn diese Fähigkeiten benötigt werden. Vermutlich würden eine sanfte Muttergöttin oder ein einfühlsamer Hausgott besser als Hauptgötter harmonieren. 

Daher ist es wichtig, dass du ehrlich dazu bist, was du bist und wo deine Ziele im Leben liegen. Allerdings kannst du dir auch den Kriegsgott wählen, wenn du zb. endlich den Mut haben willst dein Leben zu ändern und aus dir und deiner ruhigen Schale heraus zutreten. Solange du deiner Selbst und deinen Bedürfnissen ehrlich gegenüberstehst, hast du schon mal ein probates Mittel an der Hand um die richtige Gottheit für dich zu finden. Nämlich eine, die zumindest von ihrem Zuständigkeitsbereich perfekt zu dem Großteil deines Lebens passt.

Schritt 2: Das passende Pantheon

So. 
Und nun sitzt du da und weißt, wie welche Bereiche deine Hauptgottheit abdecken sollte. Nehmen wir mal an, du hast dich als leidenschaftlicher Gärtner und Pflanzenfreund für eine Gottheit der Natur entschieden - plötzlich offenbaren sich damit eine riesige Schar an in Frage kommende Gottheiten aus aller Herren Ländern und aus bestehenden und untergegangen Kulturen. Zu Recht taucht in deinem Gesicht jetzt ein ganz großes Fragezeichen auf.
(c) Wikipedia
Es gibt mehrere Wege das ganze jetzt anzugehen: Du kannst zb. danach gehen welche Religion oder Kultur früher in deinem Heimatland beheimatet war und dort nach einer geeigneten Gottheit suchen. Du kannst dir aber auch eine Gottheit aus einem Land suchen, dass du als deine Wahlheimat (eine von dir ganz persönlich ausgesuchte Heimat) betrachtest. Oder der Beste - und wie ich denke einfachste Weg - geh nach deinem Gefühl.

Häng dich ins Internet und suche die alle Gottheiten heraus, die genau das erfüllen, was du von ihnen erwartest. Sortiere Gottheiten aus, die sich nicht gut anfühlen oder die dir auf Grund ihrer Geschichte merkwürdig oder suspekt erscheinen. Horche in dich hinein und nimm die Gottheit an, die sich für dich richtig anfühlt. Es dürfen auch ruhig mehrere sein; wir sortieren vermutlich im nächsten Punkt noch einmal aus.

Schritt 3: Die Gottheit kennen lernen

Wie du auch nicht mit jedem, der daherkommt Freundschaft schließt oder ihn in deinem Haus übernachten lässt, so solltest du auch nicht jede Gottheit einfach annehmen, weil sie zu dir zu passen scheint. Gottheiten sind komplexe Geschöpfe; von Menschen erdacht, sind sie ebenso kompliziert und vielschichtig wie sie. 
Daher nimm dir deine Gottheiten und versuche alles über sie zu lernen, was du finden kannst. Internet, Bücher, frag andere Personen, die mit ihnen arbeiten. Je mehr du über deine Gottheit herausfindest, desto sicherer kannst du sein, dass du mit der richtigen Gottheit am Ende arbeitest. Und dann, in dem Moment wo du meinst genug über sie zu wissen, kommt der Moment, wo du mit der Gottheit direkt in Kontakt treten solltest.

(c) Nekoblast
Ich meine jetzt nicht, dass du sofort anfangen solltest mit der Gottheit (oder den Gottheiten) magisch zu arbeiten. Ich meine vielmehr, dass du dich zur Meditation zurückziehen solltest und versuchen solltest Kontakt mit den Gottheiten zu bekommen. Es kann einige Anläufe dauern (je nachdem welche Gottheiten du gewählt hast. Eine freundliche Muttergöttin wird sich vielleicht schneller und lieber zeigen als eine aufbrausende misslaunige Totengottheit); doch wenn die Gottheit auftaucht benehme dich respektvoll und höflich ihr gegenüber. Aber vor allen Dingen - stell Fragen! Frag alles, was dir zur Person der Gottheit noch unklar ist. Versuche herauszufinden, ob die Gottheit eine Person ist, mit der du dich verstehst und mit der du arbeiten möchtest. Frage sie nach Vorlieben und Vorstellungen zu manchen Themen. Vielleicht auch nach den Ansprüchen an ihre Anhänger oder die Art der Verehrung. 

Alles passt und ihr versteht euch? Dann meinen Glückwunsch; dann kannst du demnächst versuchen magisch mit der Gottheit zu arbeiten um zu sehen, ob ihr auch dort auf einer Linie schwingt. Es passt nicht? Dann verabschiede dich höflich und belästige die Gottheit nicht länger. Vielleicht musst du dann einfach noch wo anders suchen.

Ich habe aber mehrere Gottheiten, mit denen ich arbeiten möchte und könnte....

(c) Huge green Phönix
Absolut kein Problem. Viele Religionen sind noch heute polytheistisch (haben mehrere Götter) und auch dir als Hexe/Hexer steht es absolut frei mit mehreren verschiedenen Gottheiten zu arbeiten, wenn du mit ihnen zurecht kommst. Die Wicca verehren ja zb. auch den gehörnten Gott und die große Göttin. Du kannst aber auch nur weibliche Götter oder nur Männliche verehren. Oder du wendest dich vollkommen geschlechtslosen Energien zu; fängst an mit Feen oder Zwergen zu arbeiten etc. 
Lass dir keine Grenzen aufzeigen. Du bist der Einzige, der für dich selbst weiß, wie der Weg richtig ist. Das klingt schwer und nach viel Verantwortung; bietet aber auch viel Freiheit. Gehe deinen Weg, wie er für dich richtig ist und funktioniert - egal, was andere davon halten mögen.

....und sie kommen aus verschiedenen Pantheons.

Hier wird es schon ein wenig verzwickter. In Gruppen wird oftmals davor gewarnt als Anfänger Gottheiten verschiedener Pantheons durcheinander zu mischen oder zeitgleich zu verehren bzw. anzurufen. Das liegt vermutlich daran, dass die Gottheiten wie schon erwähnt genauso wie Menschen Persönlichkeiten sind - und nur weil sie den selben Aufgabenbereich oder das selbe Element haben, müssen sie sich deswegen noch lange nicht mögen.
Nur weil jemand CDU wählt, heißt das nicht, dass er sich mit jedem anderen verträgt, der CDU wählt. Verstehst du, was ich sagen möchte?
(c) Dicemonkey

Ich möchte es dir aber nicht von vornherein ausreden das zu tun, nur dass du dabei vorsichtig sein sollst. Ich denke am Besten und Sichersten fährst du damit, dass du dich auf dein Gefühl verlässt und die Gottheiten einfach fragst, ob sie sich leiden können bzw. bereit wären auszuprobieren gemeinsam zu wirken und sich deinen Altar zu teilen. Vielleicht kommen dort überraschende Konstellationen heraus, wie sich in der griechischen Mythologie ja auch Ares und Aphrodite fanden und die Harmonie zeugten. 

Du siehst also. Du kannst es tun, wenn es für dich richtig ist. Vergesse aber niemals, dass Götter und Energien auch ihre Persönlichkeit haben und nur weil sie dich mögen, noch nicht einander mögen müssen.

Der Weg meiner Götter

Der Weg zu meinen Göttern war sehr kurvenreich und hatte viele Abzweigungen. Meinen Start in der Magie hatte ich, wie viele bei denen es nicht in der Familie liegt, mit einem Buch über Wicca. Daher waren die ersten Götter, mit denen ich beginnen wollte zu arbeiten der gehörnte Gott und die große Göttin. Doch irgendwie kam bei mir absolut nichts an; es funktionierte einfach nicht und fühlte sich nicht richtig an. 
Also brach ich komplett mit der Magie, da ich dachte, dass es daran läge, dass ich für diesen Weg einfach nicht gemacht bin. Das war in einer Zeit, bevor ich unbegrenzten Zugang zum allwissendem Internet hatte und glaubte, dass es nur diesen einen Weg der Magie gebe und diese Beiden alleine die einzigen richtigen Hexengötter sein.

(c) Wikimedia
Ich wendete mich also anderen Dingen zu und bekam eine geradezu manische Ägyptenphase. Ich verschlang jedes Buch, dass ich über Ägypten finden konnte, sah mir jede Doku an und versuchte so viel Wissen wie möglich anzuhaufen. Natürlich war ich dann total aus dem Häuschen, als meine Großmutter mich mit auf die Tutanchamunausstellung nahm. Und dort, im Souvenirshop schien sie auf mich gewartet zu haben; eine große, pechschwarzes Bastetstatue. Ich wäre halb gestorben, als meine Großmutter anbot sie mir wirklich zu kaufen und so wurde sie bald mein wertvollster Besitz und ich war unfassbar stolz auf die dunkle große Katze. 

Zwischendurch trat die Magie immer mal wieder zurück in mein Leben. Meine Mutter schenkte mir mein erstes Tarotkartendeck und ich las Bücher über Hexen, Vampire, Werwölfe und die Inquisition. Doch so wirklich an das Praktizieren dachte ich nicht mehr; als ich nach einem sehr harten Schicksalsschlag meinen jetzigen Lebensgefährten kennen lernte. Er ist bekennender Asatru (oder Firne Sitte, wem's lieber ist) und auch im Reeanactment unterwegs. Da ich dafür schon immer eine Schwäche hatte, schloss ich mich kurzerhand seiner Darstellung als Däne um 900 n. Chr. an und wollte meine Darstellung dann natürlich auch vertiefen. Und so las ich mich in seine Bücher über "germanische" Götter un die Edda ein. Es traten viele mehr oder weniger herzliche Gestalten auf und irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass jemand für mich darunter sein könnte.

(c) Wikimedia
Und dann traf ich auf Frija. Die Gottheit, aus der angeblich Freya und Frigga hervorgegangen sind, nachdem die vorherig hier verehrten Götter assimiliert wurden durch die Siedlungswellen aus dem indischen - asiatischen Raum. Sie schien für mich als junge Frau wie geschaffen zu sein; sanftmütig und doch kämpferisch. Und ebenso wie Bastet war ihr die Katze zugeordnet, für mich schien das perfekt zu sein und ich wollte mit ihr arbeiten. Vielleicht sogar mit Beiden - hätte doch gut gepasst. 
Also wollte ich meine Triskele von Bastets Hals nehmen und sie auf meinen frisch errichteten Altar stellen - als der Statur ohne Vorwarnung der Kopf abfiel. Und ich meine das wörtlich! Ihr fiel einfach der Kopf ab! Ich war völlig fertig, bekam aber bald den Rat, dass Bastet ihre Anwesenheit hier wohl einfach nicht mehr für nötig betrachtete. Also beließ ich es dabei und fing an mit Frija zu arbeiten.

(c) Ardijana Woelke
Doch ich hatte die Ratschläge, die ich dir gerade erteilt habe, einfach nicht beachtet und so kam es, wie es kommen musste - es passte nicht. Irgendwie fiel es mir immer schwerer sie bei Ritualen anzurufen und ihre Energien begannen ich eher zu behindern, statt zu helfen. Bis mich vor ein paar Tagen die Antwort, mit welchen "Gottheiten" ich arbeiten sollte wie die Faust aufs Auge traf - es waren die Elemente selbst!
Das große Paar der Gegensätze - Mutter Erde und Vater Himmel. Sonne und Mondin; Tag und Nacht, Wasser und Feuer. Sie waren die perfekten Energien für mich und mit einem Schlag hatte ich das Gefühl, dass ich endlich an einem stabilen Punkt meiner Reise als Hexe angekommen bin. Ich fühlte mich plötzlich unfassbar gestärkt und hatte das Gefühl alles schaffen zu müssen. 

Tja.
Du siehst also, deine Götter müssen keinen Wert fürs ganze Leben haben und sie können unfassbar oft wechseln. Vielleicht kehren einige zurück, vielleicht bleiben sie auch für immer fort. Weine kurz, dann blicke nach vorne und freu dich, dass diese Gottheit dir seine Zeit geschenkt hat.

Aber jetzt lasst mal hören: Was sind eure Götter, wie habt ihr sie gefunden und wieso harmonisiert ihr so gut mit ihnen?

Mit besten Wünschen und Grüßen,
eure Ardijana 

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