Montag, 14. Dezember 2015

Wintersonnenwende (Jul/Yule)

(c) Wikimedia
"Friede allen Menschen, die guten Willens sind." 

Wie jeder weiß, der meinen Blog aufmerksam liest, bin ich kein großer Freund der Institution Kirche. Doch dieses schöne Bibelzitat sollte uns wohl alle in dieser feierlichen familiären Zeit einen; denn es ist doch Friede, der bei uns einzieht, wenn wir bunte Lichter und Weihnachtsmärkte sehen, oder?
Trotzdem bleibt gerade bei der jungen Hexe das nagende Gefühl zurück, was und wieweit sie sich in diesem kommerziellen Fest verlieren darf. Ob sie es überhaupt noch feiern darf und was der Hexenblick darauf sagt.
Die Antworten gibt es jetzt und hier - von mir. 


Datum: 21/22. Dezember 

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und die Tage sind kürzer geworden. Immer öfter überrascht uns die einbrechende Dunkelheit und langsam werden wir zunehmend früher am Tag müde. Klassisch wölbt sich eine dicke Decke Schnee über die Welt und deckt sie zu, damit sie sich regenerieren kann für das kommende Jahr. Für einen neuen Zyklus des Wachsens und wiederauferstehens. Die Arbeit ruhte und man kehrte in den häuslichen Raum des Alltags zurück. Je nach Wetterlage kam es für unsere Vorfahren schon mal vor, dass sie monatelang ihre Nachbarn nicht sahen, weil der Schnee kein durchkommen ließ. Man war also alleine mit der Familie.

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Und obwohl ich mir sicher bin, dass sowohl heute wie damals die Kinder große Freude am Winter hatten, so war er doch auch mit einer bangen Angst behaftet. Und zwar der Angst, ob die Sonne auch wirklich erneut herauskommen und kräftig genug strahlen würde, damit die Ernte reichlich wachsen konnte. Gerade für die bäuerlich lebenden Menschen konnte es kaum etwas Schlimmeres als einen kalten Frühling und einen regnerischen Sommer geben. Weil das eine schlechte Ernte versprechen und damit die Familie gefährden würde.
Unter genau diesem Gesichtspunkt muss man das Julfest betrachten, dass gefeiert wird um die neu geborene Sonne darin zu bestärken zu scheinen und zu leuchten. Licht, Liebe und Reichtum in die Welt zu bringen. Die Welt aus ihrem Winterschlaf zu wecken und für die Menschen ein gutes und frisches Jahr zu verheißen.

Die Wintersonnenwende trägt unter dem magischen Volk viele viele verschiedene Namen. Mir persönlich sind am häufigsten Jul und Wintersonnenwende begegnet. Bei den Römern hießen die sieben Tage dauernden Festlichkeiten zb. Saturnalien. Und auch in der modernen Heidenszene haben sich viele verschiedene Namen etabliert. Zu viele, um sie hier alle zu listen.

Wie schmückt man Haus und Altar für dieses Fest?

Wie bei jedem Fest stellt sich auch bei diesem die Frage: Was mache ich mit Haus und Altar? Es soll ja schließlich ein winterlicher Hauch in mein Haus einziehen und zudem wird sicher merkwürdig geguckt, wenn ich überhaupt keine Weihnachtsdekoration heraushänge - darf ich das als Hexe überhaupt?
Natürlich!
Nur her mit dem kitschigen Schneemann im Vorgarten und den leuchtenden Rentieren auf dem Dach! Natürlich ist es dir als Hexe erlaubt den ganzen Karneval um Weihnachten mit zu machen, du darfst sogar deinen Kindern vom Weihnachtsmann erzählen und ganz sicher darfst du Geschenke kaufen und bekommen. Keine Sorge.

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Viele Bräuche zur Weihnachtszeit sind weit älter als das Christentum und wurden von früheren Religionen "geborgt" um den Leuten den Übergang zu erleichtern. Kauf dir einen riesigen Tannenbaum um das Grün und die neue erwachende Natur in dein Haus zu holen. Rentiere sind - für viele Anhänger des gehörnten Gottes - die Verkörperung schlechthin für ihn zu dieser Jahreszeit.
Backe Plätzchen in Form von Sonnen, Monden, Sternen und Tieren als Nascherei, Gabe an die Götter oder süße Geschenke für Freunde, Familie und Fremde. Geh über den Weihnachtsmarkt und trinke Glühwein. Habe ein beschauliches und wunderschönes Weihnachtsfest am 24. Dezember mit deiner Familie - das ist das absolut perfekteste, was du tun kannst. Oder - wenn du möchtest - verleg euer Fest vor und feiere mit deiner ganzen Familie eben schon am 21/22. Dezember. Jul ist das Fest der Familie, der Besinnlichkeit, des Friedens und der guten Hoffnungen für das kommende Jahr. 

Haus und Altar dürfen also reichlich geschmückt werden mit all dem kitschigen Weihnachtsschmuck, den du überall findest. Immergrüne Sträucher und Nadelhölzer dürfen natürlich auf keinen Fall fehlen. Kerzen sind ebenso ein Must - Have in dieser Jahreszeit - am Besten in den Farben Rot, Grün, Silber oder Gold - Kunstschnee in den Fenstern und eine Mistel über der Tür verleihen jedem Haus einen heidnischen besinnlichen Touch. 
Dekoriere deinen Altar zustätzlich vielleicht mit kleinen "fake" - Geschenken und Plätzchen. Baue ein Lebkuchenhexenhaus und platziere es für deine Hausgeister. Traditionell kannst du natürlich auch einen Julbock kaufen - gibt schöne bei Ikea - auf das Brauchtum gehe ich später noch ein. 

Gibt es Lebensmittel, die zu diesem Fest gehören?

Ah. Meine Lieblingsabteilung - Essen.
Klassisch gehören zu diesem Fest natürlich Süßigkeiten und Plätzchen, oder? Wenn wir an Weihnachten denken, dann kommen wir praktisch nicht ohne sie aus. Und so sind sie auch für unser Julfest einfach nur absolut hinreißend. Sowohl Heiden wie auch Andersgläubige freuen sich sicher über schön verpackte Plätzchen in Form von Sonne, Mond, Sternen und Tieren. 
Wie ich ein einem früheren Artikel bereits erwähnte ist die Form des Abbildbackens schon sehr alt und daher kann man diese Plätzchen auch gut als Opfer für die Götter nutzen. Man backt ihnen praktisch ein Opfertier! 

Klassisch gehört in diese Jahreszeit wohl auch die Gans oder Ente, die bei vielen Familien traditionell auf den Tisch kommt. Doch auch der Apfel - in vielen Religionen als Symbol für langes Leben, Gesundheit und Schönheit zu finden - gehört auf jeden Fall zum Julfest. Gereicht werden kann er zb. im Glühwein oder als Bratapfel.
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Glühwein ist wohl auch das Must - Have - Getränk überhaupt im Winter. Mit seinen typischen Gewürzen wie Anis und Zimt macht es nicht nur warm nach einem langen Spaziergang, es erheitert auch noch das Gemüt nach der Arbeit und lässt einen seligen Frieden in die Herzen einziehen. Die begabte Hexe kann natürlich noch allerlei Kräuter runtermischen, die ihrem persönlichen Glühwein den praktischen "Hexenkick" verleihen.
Doch auch Wacholder sollte nicht zu kurz kommen dieser Tage. Als typischer Attribut der Göttin Holda/Holle/Holla ist der Wacholder praktisch nicht wegzudenken aus dem winterlichen Fest. Ebenso wie Wodan soll sie in dieser Nacht herumziehen mit einem wilden Heer und die Toten einsammeln. Ich habe auch schon gehört, dass sie die Guten belohnt und die Schlechten bestraft. 

Wacholder kann zur Ente gereicht werden im Sud. Als schöner Tee für die Leute, die keinen Glühwein mögen oder als Zweige als Dekoration dienen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und garantiert findest du eine, die dir zusagt. Wie wäre es zb. mit einer schönen Räucherung aus Wacholderblüten?


Welche Gottheiten ehrt man an diesem Tag?

Das könnte jetzt ein sehr großer Punkt mit starker Lastung auf den nordischen Göttern sein. Aber ich möchte versuchen es so ausgewogen wie möglich zu halten, weswegen die Liste hier auf keinen Fall vollständig sein wird. 
Feiern lassen sich auf jeden Fall alle Götter, die für Feste zuständig sind. Götter des Lichtes oder auch Götter der Geburt oder des allgemeinen Neuanfangs. 

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Wodan - nordischer Sturmgott (zieht traditonell mit dem wilden Heer über den Himmel)
Holle - nordische Göttin
Dionysos - griechischer Gott der Feste, des Weines und des Rausches
Horus - ägyptischer Sonnengott
Lucina - römische Göttin der Geburt (holt das Kind ans Licht bzw. schenkt dem Kind Licht)

Wie gesagt ist die Liste endlos und sicher findest du eine Gottheit, die für dich genau richtig die Julzeit repräsentiert. Die Wicca (oder zumindest einige davon) sind übrigens der Meinung, dass dies die Zeit ist, wo der Stechelpalmenkönig (der Aspekt des Gottes, der den Tod verkörpert) stirbt und vom Eichelkönig (dem neugeborenen Gott) abgelöst wird.

Welche Rituale führen wir an diesem Fest aus?

Wie schon erwähnt ist das Julfest das Fest, an dem nicht nur die Familie zusammen findet, sondern auch eines, bei dem man die neugeborene Sonne bestärken möchte. Besonders gut eignet sich dieses Fest um Wünsche, Hoffnungen und Pläne fürs neue Jahr zu beginnen. Während wir an Samhain zurücksahen und das Jahr passieren ließen, ist es nun soweit unsere neue Kraft zu nutzen und uns vorzunehmen, was getan werden soll. Vielleicht endlich den Mut finden einen neuen Job anzunehmen oder einfach glücklicher durchs Leben zu gehen. 
Ein kleines Wunschritual ist an Jul genau richtig angebracht. 
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Der Julbock - den ich ja weiter oben bereits erwähnte - wird auch von den Bewohnern des Hauses mit ihren Wünschen gespickt und anschließend verbrannt. Wer die Möglichkeit hat diesen schönen Brauch umzusetzen, der soll es ruhig tun. Vermutlich kommt auch hier wieder ein alter Opferbrauch zum Tragen, der durch einen Stellvertreter erfüllt wurde, statt durch das richtige Tier.

Auch große Rituale mit dem Feuer können an Jul genau richtig sein. Starke Flammen sollen die Sonne anheizen und ihr beim Strahlen helfen. Dutzende von Kerzen oder Lichterketten können das Strahlen der Sonne bereits in die Welt hinaus tragen. Ebenso kann man in einer Meditation der Erde und der Sonne Energie zuschicken um für ein gutes nächstes Jahr zu sorgen. Auch Heilrituale sind gut für dieses Fest gemacht, wenn sie darauf abzielen jemanden neue Kraft zu geben um gegen seine Krankheit anzukämpfen.

Pagan Parenting Tipp:

Ich glaube fast nicht, dass das noch weiterer Erwähnung bedarf. Weihnachten ist für Kinder das Fest schlechthin und wenn sie den Weihnachtsspaß schon früher haben dürfen, dann freuen sie sich sowieso. Kleine besinnliche Geschichten, die zur Jahreszeit passen und gleichzeitig den Sinn des Julfestes erklären, sind nun absolut perfekt zum vorlesen bei Kerzenschein und heißen Kakao.
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Baum schmücken, Plätzchen backen und Lebkuchenhäuser dekorieren sind sowohl hexische wie auch kinderfreundliche Ideen für Jul. Wenn ihr einen eigenen Teich habt oder einen See oder Fluss in der Nähe könnte man auch kleine Teelichtbote aus Rinde fahren lassen. Das wirkt wunderschön und zieht die Kinder gut in Rituale mit hinein. 

Vergesst vor allen Dingen nicht, es ist ein Familienfest. Auch Geschichten über die verstorbenen Verwandten kommen nun gut an, dass ansehen alter Fotoalben oder ähnliche Dinge. Ein gemütliches Essen, dass gemeinsame Singen - all dies sind kindgerechte Aktivitäten zu Jul.


Ich wünsche euch eine besinnliche Weihnachtszeit und ein schönes Julfest. Wir sehen uns im nächsten Jahr. 

Mit Grüßen,
eure Ardijana 

1 Kommentar:

  1. Was für eine wundervolle Beschreibung und Inspiration,
    vielen Dank für die Anregungen und Ideen diesen Abend zu gestalten.
    Generell finde ich deine Seite sehr informativ und hilfreich für jüngerer aber auch Erfahrene in diesem Bereich
    Besonders angenehm ist es, wie bei dir die alten wie modernen Bräuche vermischt werden (im positiven Sinne) man aber dennoch das ganze eine ganz besondere Note geben darf und von dir manchmal auch aufgefordert wird seinen eigenen Weg zu finden.
    Vielen Dank für das "weitergeben" deiner Erfahrungen
    Mit freundlichen Grüßen

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