Freitag, 20. Mai 2016

Kräutersammeln - aber richtig!

(c) Mehmet Akyuz

Meine lieben Hexen und Hexer,

die Frühlingssonne erfreute uns in letzter Zeit mit satten und üppigen Strahlen. So mach einen von uns trieb es hinaus in die freie Natur um das Schauspiel zu betrachten. Dutzende Bäumen und Blumen stehen bereits in Blüte oder sind am Austreiben. Schmetterlinge und Bienen kommen aus ihrem Winterversteck hervor und die Vögel hüpfen wieder singend durch das Geäst. Es läd zum picknicken und verweilen ein; zum krafttanken und zum genießen der Wunder der Natur.
Man pflückt ein paar Blumen für die Tische oder flicht einen schönen Kranz daraus. Aber jetzt wo unser Blick so viel geschärfter ist für die Dinge um uns herum, sollte doch aufgefallen und bewusst sein, dass Pflanzen viel mehr als nur schönes Beiwerk sind. Sie besitzen heilende und helfende Kräfte, die verschiedenste Medikamente ersetzen können.
Wie ihr die Kräuter richtig sammelt, trocknet und ähnliche Dinge lasse ich euch in diesem Artikel wissen.


Das Kräuterweib mit Dutzenden duftenden Bündel unterm Dachbalken, Tinkturen, Salben und Tee ist es, die uns in den Sinn kommt, wenn wir an Kräutermedizin denken. Sie ist ebenso etwas, das eng mit dem Urbegriff der Hexe verbunden ist. Oder kennt eure Region eher die Wurzelmänner mit ihren gedeckten Farben, die Kobolden gleich Wurzeln und Pilze wussten und kannten?
Beide jedenfalls verstanden sich auf die heilenden und unterstützenden Wirkung von Kräutern, Pilzen, Bäumen und sonst allen Dingen, die in Wald und Flur blühen. Wo dieses Wissen früher mündlich weitergereicht werden musste kann man es heutzutage überall nachlesen, doch fangen wir am Besten bei den Grundlagen an.

Was für eine Ausrüstung wird benötigt?

Wie bei wohl allen Vergnügungen geht es nicht ohne eine ganz entsprechende Ausrüstung, die du dir aber sehr leicht und günstig zusammenstellen kannst. Vermutlich macht genau das das Verarbeiten von Kräutern so attraktiv und Interessant bei Junghexen.

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Der Sammelbuch: Hiermit meinte ich ein Buch, dass dir hilft die verschiedenen Pflanzen sicher zu bestimmen, dir sagt, welche Teile du gebrauchen kannst und wann du diese Sammeln kannst.
Ich benutze zweierlei Bücher. Ich habe einen Tier – und Pflanzenführer für das Bestimmen der Pflanzen unterwegs und zwei Bücher (sowie das Internet) um herauszufinden, was ich daraus herstellen kann. In meinem kleinen Bestimmungsbüchlein habe ich mir bei den entsprechenden Pflanzen Postetnotes geklebt, auf denen steht, wann und was gesammelt werden darf.

Der Sammelbehälter: Natürlich brauchst du etwas, in dem du deine gesammelten Werke nach Hause transportieren kannst. In meinem Fall ist das ein Weidenkorb. Du kannst aber auch einen Rucksack oder eine Jutetasche nehmen. Deiner Phantasie sind beinahe keine Grenzen gesetzt – nur von Plastik würde ich abraten, weil die Pflanzen darin schwitzen und das ist nicht so besonders schön.
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Für kleinere Dinge wie Blüten oder Samen kannst du noch kleine Beutelchen oder Gläser mit dir führen. Dein Behältnis sollte deine Sammlungen verdecken können zb. Mit einem Laken oder ähnlichen Dingen, damit die Sonne sie nicht ausbleicht und damit unnütz macht.

Schere oder Messer bzw. Schaufel: Brauchbare Utensilien, wenn die Pflanze sich nicht brechen lässt oder die Wurzel zu fest im Erdreich verhaftet ist. Von einer Gartenschere bis zu einem Messer oder einer sogar stilechten Sichel ist dabei alles möglich. (Achte nur auf entsprechende Gesetze wegen Waffen etc. was du wohin mitführen darfst.)

Sprühflasche: Schöner Tipp, den ich in einem Kräuterbuch gelesen habe. Eine Sprühflasche mit Wasser gefüllt wird gebraucht um die Kräuter unterwegs frischer zu halten. Wenn man sie ab und an einsprüht, dann trocknen sie nicht schon unterwegs aus oder werden welk. Sie sind so viel schöner und frischer nach Hause transportierbar.

Handschuhe: Ein praktisches Paar Handschuhe findet überall im Garten Verwendung und kann daher auch auf deiner Kräutertour ein guter Begleiter werden. Sei es zum Ernten von Brenneseln oder zum Abpflücken zwischen Dornen oder anderen Dingen. Sie schützen deine Hände effektiv vor Schnitten, Stichen und Schmutz. Ein Paar Handschuhe aus dem Gartenbedarf dabei zu haben kann dir nur zum Vorteil gereichen.

Wie sammelt man richtig?

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Bevor es überhaupt ans Sammeln geht, steht zuerst ein ganz wichtiger Schritt. Du hast also deine Sachen beisammen, bist in den Wald gezogen und stehst vor dem ersten interessanten Kraut – jetzt geht es ums bestimmen. Dafür hast du dein praktisches Buch, siehst die Blüte und Blätter genau an, ebenso wie den Standpunkt und suchst die entsprechende Pflanze heraus. Das kann schon mal ein wenig dauern und vielleicht findest du sie auch nicht in deinem Buch.
Jetzt ins Grüne drauf los zu ernten wäre einfach nur schrecklich. Wenn du eine Pflanze nicht oder nicht sicher (du musst dir ganz sicher sein, dass es jene Pflanze ist) identifizieren kannst, dann lass sie stehen und sehe lieber zu Hause nochmal nach, was es gewesen ist. Du kannst ein Foto von der Pflanze schießen oder – sollte genug von ihr vorhanden sein – eine Kleine mitnehmen um ihre Merkmale zu Hause genauer zu bestimmen.

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Wie ich ja schon erwähnt habe ist es wichtig die richtige Zeit für alle Dinge zu kennen. So werden zb. Die meisten Wurzeln erst im Herbst geerntet, einige Blumen schon im Februar, einige sind aber auch erst im Oktober wirklich gut. Du erzielst die besten Ergebnisse damit, dass du die Blumen zur passenden Zeit erntest. Natürlich ist es auch möglich sie später zu ernten, doch dann sind ihre Wirkstoffe meist nicht mehr genauso gut.

Auch auf die Menge, die man erntet, kommt es an. Vorerst sei gesagt, dass man niemals mehr ernten soll, als man auch verbrauchen kann. Gerade für den Anfänger lässt sich mit dieser Regelung meist nicht viel anfangen, da man ja nie genau weiß, wie viel zum Beispiel Salbei man jetzt braucht um gut durch die Hustensession zu kommen.
Ein weiterer kleiner Tipp aus dem Kräuterbuch dagegen war, nirgendwo mehr als zwei Drittel aller Pflanzen zu ernten. Es sollte stets so viel übrig blieben, dass der Bestand weiter wachsen kann. Das ist ein wenig Einschätzungssache – sie meinte dazu nur (jetzt zitiere ich) „Wenn ich irgendwo sammeln war, dann passe ich auf, dass man hinterher nicht sieht, dass ich gesammelt habe.“

Auch der entsprechende richtige Transport für deine Kräuter ist sehr wichtig. Wie ich ja bereits erwähnte solltest du sie vom Sonnenlicht verdeckt transportieren, ab und an mit ein wenig Wasser einsprühen und sie vor allen Dingen luftig transportieren. Sammle auch nur gesunde Pflanzen weit ab von vielbefahrenen Straßen, gedünkten Äckern und ohne Käferbefall. Wieso versteht sich sicher von selbst, oder?

Zu Hause angekommen:

Zu Hause angekommen empfiehlt es sich die Kräuter nochmals zur Hand zu nehmen und nochmals die eigene Identifizierung zu überprüfen. Dafür eignet sich ein genaueres Buch sowie das Internet. Hier findet man oft auch schöne Anregungen für die Verwendung der Pflanze, sollten keine Zweifel an ihrer Identität bestehen.
Kommen nun aber Zweifel auf, dass es sich um die richtige Pflanze handelt, muss man sie deswegen nicht sofort fortwerfen. Mitglied in der ein oder anderen Kräutergruppe (zb. Facebook) oder in entsprechenden Kräuterforen zu sein kann in einem solchen Fall sehr hilfreich sein. Hier kann man Fotos, Beschreibung und Standort posten, ebenso wie die vermutete Identität der Pflanze. In den allermeisten Fällen wird man dort sehr fachkundig und schnell geholfen.

Ist es jetzt aber trotz aller Vorsicht passiert, dass man eine „falsche“ Pflanze gesammelt hat, kann man sie entweder zu Hause auf den Komposter werfen oder man nimmt sie zum nächsten Spaziergang einfach mit und legt sie im Wald nieder. Wenn sie dekorativ sind, kann man sie auch sehr schön einfach in eine Vase stellen oder – so wie ich es tue – einfach als dekorative Kräuterbündel aufhängen und sich an ihrem „magischen“ Anblick erfreuen.
(c) PublicDomainPictures

Und damit wären wir dann auch schon beim entsprechenden Trocknen der verschiedenen Pflanzen. Langstielige ganze Kräuter könnten sehr gut gebündelt an einer Schnur getrocknet werden; ohne direkte Sonneneinstrahlung und an einem luftigen Ort. Bei uns hängen sie über dem Ehebett.
Blüten lassen sich am Besten, so wie kleine Kräuter oder Blätter, auf Tüchern oder Tellern trocknen. Vom Mulltuch über Leinen bis hin zu Tellern oder Küchenrolle kann man dafür alles nehmen. Wenn man sie abdeckt dürfen sie zb. Auch auf einer Fensterbank, Balkon oder Gartentisch vor sich hin trocknen. Hauptsache ist auch hier, dass die Luft gut zirkulieren kann, damit sich keine Feuchtigkeit bildet.

Wurzeln und Beeren werden am Besten im Ofen getrocknet. (Wobei man Wurzeln auch in Scheiben schneiden und an Bänder hängen kann). Hierbei sollte es nicht zu heiß sein (max. 50 Grad) und die Tür sollte einen Spalt bereit offen bleiben. Am Besten blockiert durch einen Holzlöffel oder ähnliche Dinge.

Wenn alles gut durch getrocknet ist – Blätter, Blüten und Kräuter zb. Rascheln, wenn sie komplett trocken sind – dann dürfen sie nach entsprechender Anleitung aus Büchern und Internet verarbeitet werden.
Ryan Somma
Was allerdings nicht sofort verarbeitet wird muss sachgerecht gelagert werden. Zwar sehen schöne alte Schraubgläser einfach super aus – allerdings müssen sie ausgekleidet oder im Schrank verstaut werden, damit die Sonne die Kräuter nicht ausbleicht. Sind also nicht gerade als Deko für den Altar geeignet. Ich persönlich habe alte Babygläser und Salzgläser ebenso genutzt wie wunderschöne Tontöpfe mit Korkenverschluss. Ist also ganz dir selbst überlassen; wenn es allerdings nicht undurchsichtig oder zumindest dunkel getönt oder abgeklebt ist, darf es nicht an einem sonnenbeschienen Ort stehen bleiben.
Und – ganz wichtig – Beschriften nicht vergessen. Es wäre ärgerlich, wenn du deinen Spitzwegerich mit deinem Salbei verwechselt. Bei Kräutern, die man nicht innerlich anwenden darf, könnte es sogar gefährlich werden.

Ein paar letzte Tipps

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Das erste Mal Kräuter sammeln ist eine ganz besondere Erfahrung und vielleicht ist man am Anfang ein wenig ernüchtert mit wie wenig oder auch gar nichts man nach Hause kommt. Doch den Kopf nicht hängen lassen; es ist alles ein Lernprozess und schon nächstes Jahr sieht es ganz anders aus. Kräuterfrauen, die voll beladende Körbe mit sich führen, haben meist schon sehr lange und intensiv gelernt und geschaut, bis sie die Pflanzen gut genug kannten und die besten Plätze für sie gefunden hatten.
Besser ist es, du hast zwei, drei sicher identifizierte brauchbare Kräuter, als einen schön aussehenden Korb voller Pflanzen, die du wegwerfen musst.

(c) wikimedia
Sehr brauchbar kann auch eine zweite Tasche sein. Momentan schleppe ich noch alles in meinem Korb mit mir herum und wie du ja sicher gelesen hast kann das ordentlich schwer werden, bei allem, was man so braucht. Daher wäre eine zweite Tasche – zum Beispiel eine Umhängetasche oder ein Rucksack sehr brauchbar. Hier kannst du deine Utensilien unterbringen, hast sie jederzeit griffbereit und sie zerdrücken auch nicht deine Kräuter.

Festes Schuhwerk und brauchbare Kleidung werden deine stetigen Begleiter. Nichts ist ärgerlicher als wenn du eine schöne Kolonie Kräuter entdeckst und nicht an sie herankommst, weil du dir mit deinem kurzen Rock und deinen Sandalen an den davor wachsenden Brenneseln die Beine ruinieren würdest.

Eine kleine Opfergabe wird von einigen Hexen und Kräutersammlern empfohlen. Ich finde, dass es ein persönlicher Punkt ist. Ich für meinen Teil führe nichts bei mir und bedanke mich einfach still bei den Pflanzen und übermittle das in meiner Freude und meinem Respekt beim Pflücken. Wer eine kleine Gabe hinterlassen möchte kann dafür Körner, Tabak oder Kupfermünzen nehmen. Alles, was natürlich verrottet darf bei den Pflanzen hinterlassen werden. (Solange es dem Tierreich, das es vielleicht frisst, nicht schadet.)
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Natürlich kann es vorkommen, dass du nicht jedes Kraut draußen findest, was du gerade benötigst. Deswegen musst du aber noch lange nicht losrennen und dem erstbesten Esoterikversand dein Geld in den Rachen werfen – viele Kräuter findest du nämlich auch in eurer Küche. Ich bediene mich oft an diesen Kräutern und erziele damit gute Ergebnisse. Sie sind günstig zu bekommen und finden sich in jeder Küche bzw. jedem gut sortierten Supermarkt für kleines Geld.
Wenn du kannst, ist es natürlich viel schöner ein paar Pflanzen auf dem Balkon, im Garten oder auf der Fensterbank anzubauen. Ich versuche mich dieses Jahr das erste Mal daran, wünscht mir also Glück.

Und das war es dann auch schon wieder von euer Wald - und – Wiesen – Hexe. Ich freue mich darauf eure Erfahrungen zu lesen, wenn es um das Sammeln von Kräutern geht und welche brauchbaren Tipps ihr noch auf Lager habt.
Lasst es mich und den Rest der Community wissen – wie immer, in den Kommentaren!

Bye bye,
eure Ardijana

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