Donnerstag, 12. Oktober 2017

Opfern für die Götter

(c) gschnitzer_p

Dunkelheit senkt sich über das Land und die Tage werden kürzer; auch heute noch spüren wir die starke magische Kraft und auch die Unruhe in den dunklen Tagen des Jahres. Fragen uns, wie es wohl sein wird, wenn im nächsten Jahr die Sonne zurückkommt. Ob sich unsere Wünsche nach Liebe, Geld und Erfolg erfüllen werden; ob wir gesund bleiben werden. 

Anders erging es nicht allen Generationen Menschen vor uns. Die dunkle Jahreszeit war eine mit Sorgen behaftete Zeit, in der man sich fragte ob man genug Vorräte hatte, ob die Kinder die kalten Nächte überstehen würden; hoffte, dass das Vieh nicht krank werden würde und das man, sollte es nötig sein Haus und Hof zu verlassen, gesund und heil heimkehren würde. 
Zu diesem Zwecke opferten viele Generationen vor uns ihren Göttern. Wie der Opferkultus sich heute noch gestaltet, wie er damals in verschiedensten Kulturen erfüllt wurde und was und wie man "richtig" opfert - darum soll es in diesem Artikel gehen. 


Das Wort "opfern" oder "Opfer" ist in unserer heutigen Zeit nicht gerade positiv besetzt; es verbindet sich in unseren Köpfen unweigerlich mit Gedanken um Verlust und Schmerz. Deswegen neigen heutzutage magische Menschen dazu es eher eine "Gabe" oder ein "Geschenk" zu nennen; oder einen "Energieausgleich". Doch ist und bleibt es am Ende genau dasselbe und meiner Meinung nach sollten wir lieber unsere Einstellung ändern als dem Kind einen neuen Namen zu geben. 
Denn etwas zu opfern ist etwas anderes als zu schenken. Schenken tue ich etwas, was den anderen Freude bereitet um ihn glücklich zu sehen. Opfern bedeutet für mich das übergeben von sehr durchdachten Gegenständen oder Tätigkeiten (singen etc.) zum Zwecke des Dankes oder um eine Bitte zu untermauern. Oder um Kraft zu spenden, wenn ich sehr zehrend war in letzter Zeit. Und während man jeglichem Spirit jederzeit Geschenke geben kann, scheint es beim opfern einiges Diskussionsgrundlage zu geben.

Warum überhaupt opfern?

Opfer dazubringen war in den alten Hochkulturen ebenso geläufig wie es noch heute in fast allen großen Religionen der Fall ist. Auch in der magischen Arbeit ist es ein geläufige Praxis und die Gründe es zu tun haben sich seit damals kaum verändert.

Zur schönsten und auch heute noch am häufigsten praktiziertesten Art des Opfers gehören Dankesopfer. Jemand gibt etwas, was ihm etwas bedeutet oder wofür er Zeit aufgewendet hat; oder was dem Spirit sehr gut gefällt, dem er es opfern möchte; als Dank für Hilfe, Beistand und/oder gute Zusammenarbeit. 
Diese Art des Opfers sind am Nächsten dran als Energieausgleich zu gelten. Du - Gottheit - hast mir etwas gegeben oder mir bei einer meiner Nöte geholfen; daher bekommst du eine "Aufwandsentschädigung" zurück. Zum Beispiel in Form einer schönen Kerze, eines dollen Duftwerks, selbstgebackender Plätzchen, eines Gläschens Alkohol, den du so magst etc. 
(c) mav_at

Ein, in esoterischen Kreisen oftmals umstrittenes, Opfer (zumindest meiner Erfahrung nach) ist das Bittopfer. Also ein Opfer, das man vorsorglich darbringt um zu erreichen, dass die Spirits einem mehr gewogen sind. Viele alte Kulturen kannten solche Opfer; Gebäck, Opfertiere, Schmuck, Waffen etc. Sie opferten häufig und reichhaltig um die Erfüllung gewisser Wünsche erfüllt zu wissen, wie zb. Sieg im Kampf, Fruchtbarkeit für Haus und Feld, Schönheit, die Liebe einer Person etc.
Für viele magisch arbeitende Menschen heutzutage läuft es unter "Bestechung". Frei dem Motto: "Je größer und besser meine Gabe ist, desto besser wird auch die Gegengabe der Gottheit sein."

Die dritte Art des Opfers, die mir gerade einfällt, wäre das Sühneopfer. Ein Opfer, das dargebracht wird, weil eine Person einen Verstoß begangen hat. In meinen Begrifflichkeiten laufen darunter auch Dinge wie zb. die Rosenkränze, die zur Buße auferlegt werden zu beten.
Ebenso waren es in früheren Kulturen Opfertiere, Schmuck, Waffen, Hausrat etc. Hatte eine Person sich einer Sache gegen die Götter versündigt, wollte das gesühnt werden. Und wollte diese Person nicht riskieren, dass ihre Götter sie verfluchen oder gar töten, musste halt ein Opfer (oder mehrere) her bis die Götter wieder besänftigt waren. 


Für meine Begrifflichkeiten vom Opfer strickt zu trennen sind Geschenke. Sie verfolgen, wie es Geschenke eben tun sollten, keinen anderen Zweck als eine andere Person zu erfreuen. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es ja nicht umsonst. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn du deiner Gottheit oder sonstigen Spirits ab und an einfach mal kleine Geschenke da lässt. Sie arbeiten immerhin hart für dich - egal ob du es merkst oder darum gebeten hast. Kleine Geschenke sind immer ein Ausdruck von Respekt; und Respekt wird in fast allen Fällen mit Respekt vergolten. Wer gerne gibt, dem wird gerne gegeben.
(c) The Spruce

Meine ganz persönliche Opferpraxis ist....kompliziert. Eigentlich opfere ich, wann es mir halt mal einfällt. Im Alltag mit zwei kleinen Kids kommen leider viele Dinge zu kurz und dann vergesse ich auch einfach mal zum Dank zu opfern. Daher biete ich gerne kleine Geschenke an, wenn ich einfach mal "zum reden" zu meinem Altar komme. Pflücke Blumen und verziere ihn damit, stelle duftende Beeren und Harze auf, biete einen Becher Strohrum an (scheint meine Gottheit sehr zu mögen) oder überhäufe einfach nur alle mit Danksagungen für mein Leben. 
Ich persönlich habe auch kein Problem mit "Bestechungsopfern". In meinen Augen ist es nichts weiter als eine Bezahlung für Dienste, die ich erwarte. Mein Arzt bekommt sein Honorar ja auch, egal ob er mir weiterhelfen kann oder net. Und egal ob er seinen Job gut macht oder net. Ich sehe es mehr in der Art "Hey. Ich habe eine große schwierige Bitte an dich, die dir vermutlich ganz schön was abverlangen wird. Daher hast du hier mein Opfer, bitte hilf mir."
Wenn ihr einen Freund bittet euch wohin zu fahren oder beim Umzug zu helfen bietet ihr ihm ja auch meist Kostenübernahme fürs Benzin oder Verpflegung an, oder nicht?

Wie opfere ich richtig?

Ah, die grausame Frage aller Fragen. Endlose Diskussionen, Streitereien um die Richtigkeit des Tuns - Mögen die Spiele beginnen....
Nein, mal im Ernst. Als wäre Opfern nicht sowieso schon ein schwieriges Thema neigen Foren und Gruppen oftmals dazu sich gegenseitig zu zerfleischen, wenn es darum geht, wie man es denn nun "richtig" macht. Und auch wenn du es leid bist das zu hören - den allgemein gültig "richtigen" Weg gibt es leider net.

Du kannst verschiedene Dinge opfern und auch ganz verschieden damit verfahren. Zum Beispiel kannst du vergängliche Dinge opfern wie Essen, Trinken, Blumen, Räucherwerk oder ähnliche Dinge. Du kannst sie zum Beispiel darbringen, indem du sie zu deinem Altar oder einem geweihten Ort bringst, dort den Spirits anbietest und dazu vielleicht betest; dann hättest du die Gabe geopfert. Nun bleibt die Frage offen, wie du weiter damit verfährst. Sehr viele magisch arbeitende Menschen bringen ihre Opfergaben in die Natur und legen sie dort ab, verschütten sie dort oder vergraben sie dort. 
(c) mav_at

Sollte dir das nicht möglich sein, gibt es auch die Methode sie auf dem Altar zu verlassen, bis sie "verschwunden" sind oder schlecht geworden sind. Viele sind dann der Meinung, dass sie Essenz an die Spirits gegangen ist und man die verdorbene Hülle nun im Müll beseitigen darf. Wieder anderen magischen Menschen würde es im Leben nicht einfallen ihre Opfergaben in den Müll zu werfen.
Und natürlich hast du auch die dritte Möglichkeit, die sehr häufig benutzt wurde und teilweise heute noch wird. Du übergibst deine Gabe rituell an die Götter und isst bzw. trinkst sie dann selbst und hast damit an einem "heiligen Mahl" teil. Vom alten Ägypten, bei den Germanen bis in den heutigen Hinduismus ist diese Art der Opferung bekannt und praktiziert. Sollte es sich für dich aber so nicht richtig anfühlen, dann feiere doch ein Fest mit Freunden und verteile die Gaben unter ihnen oder spende sie an ärmere Leute.

Räuerwerk und Blumen können einfach verbrannt werden - ja, beides sogar. Oder man lässt die Blumen bis zum verblühen stehen. Man könnte auch Gartenpflanzen opfern - zb. Hexenkräuter - und diese dann im eigenen Garten oder so einpflanzen, damit man besonders starke magische Kräuter hat. 

Andererseits kann man den Spirits auch Dinge darbringen, die nicht vergänglich sind. Also unvergängliche Opfergaben wie Schmuck, Waffen, selbst Hergestelltes (Stickereien, Bilder, Holzfiguren etc.), Edelsteine oder oder oder. 
Opfergaben dieser Art können entweder als Schmuck auf oder um dem Altar verbleiben (zb. hängt die geopferte Kette über einer Statue einer Gottheit) oder werden vergraben, in
(c) TobiasW.
Seen geworfen, verbrannt oder sonstwie unbenutzbar für den profanen Gebrauch gemacht. Hier sind die Meinungen meist sehr klar, was du an Schmuck, Handwerk oder sonstigen an die Spirits opferst, dass darfst du nicht mehr verwenden. 

Interessant wird die Sache bei zb. Holzfiguren von Tieren. Oftmals werden sie als sogenanntes Stellvertreteropfer (Also ein Opfer, dass ein anderes Opfer ersetzt. Zb. ein Lammkuchen statt ein Lämmchen) benutzt. Ich las in diesem Zusammenhang mal von einem jungen Mann, der sich eine kleine Auswahl von Holztieren zugelegt hatte und wann immer er der Meinung war etwas opfern zu müssen eins der besagten Tiere aussuchte, es auf seinen Altar stellte und dort "materialisierte" (es mit spiritueller Energie zum leben erweckte). Dann tötete er das so erweckte Tier und opferte es damit - das Holztier, das in seinem Fall die Rolle eines Hilfskörpers übernommen hatte, packte er zurück in die Schublade  zu den anderen Tieren.

Es ist nur ein Opfer, wenn es dir auch ehrlich weh tut.

Ich liebe diesen Satz, weil er praktisch immer in einem Zug mit der Unbestechlichkeit der magischen Welt genannt wird und für mich doch in krassem Gegenzug dazu steht. Wenn die magische Welt dermaßen unbestechlich ist, wieso sollte es sie dann interessieren, wie "weh" mir ein Opfer getan hat?
Damit kommt es am Ende darauf hinaus, dass die magische Welt entweder bestechlich ist oder das es ganz egal ist wie sehr ich an einem Opfer hänge, das ich darbiete.
(c) Museen Mainlimes

Ich denke nicht, dass ein Opfer prinzipelle "weh tun" muss. Ich meine, nehmen wir es doch mal so. Dein bester Freund hat Geburtstag - was schenkst du ihm? Schenkst du ihm etwas, woran dein Herz hängt und was dir großartig gefällt - womit er aber nichts anzufangen weiß? Oder schenkst du ihm etwas, was ihn ganz eindeutig freuen wird und was dafür sorgen wird, dass eure Freundschaft noch enger wird?
Natürlich steht für dich ganz außer Frage, dass du ihm etwas schenkst, was ER gerne mag. Nicht du. Wieso sollte es also bei den Spirits mit denen du arbeitest anders sein? 

Ich opfere, führte ich ja schon an, momentan Strohrum. Tut mir finanzielle jetzt nicht so besonders weh, weil er eh im Haus rumsteht, weil ich damit auch gerne backe. Ich persönlich trinke aber absolut keinen Alkohol; ich mag den Geschmack einfach nicht; dafür rieche ich Strohrum unfassbar gerne. 
Tja, der Gottheit aber, der ich diesen Strohrum anbiete scheint ihn zu lieben. Denn innerhalb von zwei Tagen war er komplett weg, sogar ohne eingetrocknete Rückstände im Becher. Wenn das mal kein Zeichen ist....

Und woran merke ich, dass ein Opfer angenommen wurde?

Jetzt stellst du mich selbst extrem vor Rätsel - weil darauf habe ich auch noch keine Antwort. Da ich selbst meine Opferriten mache, wie ich gerade lustig bin und wie es sich für mich gut und richtig anfühlt, kann ich dazu fast nichts sagen. Ich würde mal sagen, dass musst du die Spirits, denen du geopfert hast, selbst fragen. Vielleicht bekommst du dann eine passende Antwort, ob dein Opfer Gefallen gefunden hat oder nicht.
Bei einem Bittopfer allerdings sollte es weniger schwer sein; wenn du um etwas Bittest, dazu opferst und es dir schlussendlich gewährt wird, dann wird dein Opfer wohl willkommen und gut gewählt worden sein.


Zusammenfassend würde ich sagen: Alles Vergängliche bleibt auf dem Altar/heiligen Platz bis es vergangen ist/unschön aussieht bzw. bis es rituelle gegessen wird. Alles Unvergängliche bleibt entweder als Schmuck auf oder um den Altar oder wird zerstört (verbrannt/verbuddelt etc.).

Das war es dann auch mal wieder von mir und meinen Gedanken zu diesem Thema. Du merkst ja schon, dass es schwierig ist und sicher habe ich nicht alle Aspekte oder Möglichkeiten beleuchtet bekommen. Wenn dir noch etwas einfällt, was ich vergessen habe, dann lasse es mich in den Kommentaren wissen. Ebenso deine ganz eigenen Erfahrungen mit dem opfern!

Bis dann, 
deine Ardijana

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